Mittwoch, Mai 07, 2008

The Ruins

Bei einer Zwischenlandung in Washington habe ich mir neulich das Buch "The Ruins" (deutsch: "Dickicht") von Scott Smith gekauft und anschließend im Flieger regelrecht verschlungen. Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe junger Mexiko-Urlauber, die zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte im tiefsten Dschungel aufbrechen. Dort angekommen, werden sie von bewaffneten Dörflern auf einem Hügel festgehalten, der von mysteriösen Schlingpflanzen überwuchert ist. Die Pflanzen entpuppen sich als intelligente Fleischfresser, die auf Nahrung aus sind. Ungemein spannend geschrieben und stellenweise richtig eklig! Nun begab es sich, dass das Hotel in Las Vegas ein Multiplex-Kino zu bieten hatte, in dem gerade die Verfilmung des Buches lief. Was tat Kai also? Richtig: Mit einer Medium Cherry Coke bewaffnet (entspricht bei uns ungefähr einem Liter ... was ist dann da drüben bitte Large?) setzte er sich in einen der unglaublich bequemen Sessel mit Kipplehne, zog sich den Streifen rein ...

... und wurde bitterlich enttäuscht! Allein die Tatsache, dass der Romanautor, der im übrigen auch die Vorlage zu "A simple Plan" geschrieben hat, selbst das Drehbuch zu dieser Gurke verfasste, lässt mich den Glauben an das Gute in der Welt verlieren. Sind die Charaktere im Buch noch jeweils mit einem Hintergrund ausstaffiert und wirken richtig lebendig, werden sie in der Verfilmung zu eindimensionalem Kanonen-, oder besser Pflanzenfutter. Der Film reiht ohne ein Gespür für Dramatik Szenen des Romans aneinander. Sozusagen ein Best-of, bei dem man allerdings trotzdem einige der besten Stellen vergessen hat.
Damit nicht genug, werden die Schicksale der Figuren scheinbar ohne Sinn und Verstand ausgetauscht oder im Sinne eines weichgespülten Hollywood-Happy-Ends gar komplett verändert. Ohne zu viel verraten zu wollen: Im Roman endet die Geschichte tragisch, während es im Film jemand schafft, zu entkommen. Hier frage ich mich ernsthaft, was das soll. Sinn und Zweck der Belagerung ist es, keinen der Urlauber entkommen zu lassen, weil er sonst die Sporen der aggressiven Pflanze in die Welt hinaustragen könnte. Es ist zwar ein interessanter Ansatzpunkt, jemanden entkommen zu lassen, nur würde ich dann auch zeigen, was das für Folgen hat. Aber nix. Pustekuchen! Der Überlebende fährt mit einem Jeep auf und davon. Schluss.
Immerhin hat man eine der beiden widerlichsten Szenen des Romans, eine improvisierte Beinamputation, einigermaßen gut auf die Leinwand gerettet. Die noch ekligere Selbstverstümmelung, die gegen Ende kommt, ist hingegen nur noch rudimentär und weniger konsequent erhalten geblieben.

Kennern des Buches rate ich vom Kinobesuch ab, wer Lust auf einen oberflächlichen Horrorfilm hat, der auf DVD besser aufgehoben wäre als im Kino, kann sich die knapp 90 Minuten aber gerne antun. Das Eintrittsgeld kann man aber auch sinnvoller anlegen, indem man sich einfach den Roman besorgt, den ich wie gesagt nur empfehlen kann.
Kinostart in Deutschland ist übrigens der 26. Juni, die FSK sagt trotz ekliger Szenen "frei ab 16 Jahren".

Fazit: Enttäuschende Romanverfilmung. Wieder einmal eine als Kinofilm getarnte Videopremiere.

Wertung: 2 von 5

Iron Man

Die neueste Marvel-Verfilmung ist was, womit ich mich äußerst schwer tue: Für die Figur Tony Stark und das ganze Iron Man-Drumherum konnte ich mich nie richtig begeistern. Der Eisenmann spielt für mich in einer Liga mit Charakteren wie Aquaman, Captain America, Hawkman oder Thor. Man könnte sagen, die sind mir egal. Dank der hervorragenden Kritiken und dem netten Trailer, der Lust auf Action und einen gut aufgelegten Robert Downey Jr machte, bin ich aber trotzdem gleich zum Start ins Kino gegangen. Nunja, den gut aufgelegten Downey Jr habe ich bekommen, der Rest war eher für die Füße. Noch dazu ist der Film in der deutschen Fassung geschnitten. Juhu!

Ich will jetzt gar nicht allgemeingültig sagen, dass "Iron Man" stinkt. Um Gottes Willen, nein! Der Film hat großartige Darsteller in bester Spiellaune (allen voran Downey Jr und Jeff Bridges als glatzköpfiger Fiesling mit Rauschebart), technisch stimmt alles, es gibt launige Dialoge ... aber wo ist die Action? Sicher, es ist die Einführung einer Figur. Die Entwicklung Starks vom skrupellosen Waffenhändler zum Gutmenschen kommt auch gut rüber. Aber andere Filme wie "Spider-Man", "Batman Begins" oder "X-Men" haben es trotz ihrer Funktion als Pilotfilm auch geschafft, mich bei der Stange zu halten. "Iron Man" hat hier für mich versagt. Die Action enttäuscht: Der Showdown mit dem Iron Monger ist viel zu kurz und unspektakulär geraten. Schade, denn gerade mit der Rüstung im Fokus hätte man so viel mehr anstellen können. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den unvermeidlichen Sequels evtl. kommen wird, sieht man in der kurzen Sequenz, in der Tony die Terroristen aufmischt, die ihn zu Beginn gefangen nahmen. Ich hätte mir mehr solcher Sequenzen wie mit dem Panzer gewünscht, auf den Iron Man eine scheinbar wirkungslose Minirakete abfeuert, die aber im Nachhinein gigantische Wirkung zeigt.


Auf eine Wertung verzichte ich diesmal. "Iron Man" ist zweifellos ein guter Film, nur hat er mich eben nicht "gerockt".

Sonntag, April 27, 2008

AvP 2, Justice League, Buck Rogers

So, mittlerweile habe ich trotz GTA (Artikel ist geschrieben!) mal einige der hübsch silbern glänzenden Scheiben in den Player werfen können, die ich aus Vegas mitgebracht habe. Und auch mit meinem neuen iPod Touch habe ich mich endlich mal näher beschäftigen können. Sehr schickes Gadget :)

Aliens vs. Predator: Requiem
Da ich im Kino wegen der viel zu dunklen Kopie so gut wie nichts vom Film mitbekommen habe, dachte ich mir, die Unrated Special Edition im schicken Schuber kann ja nicht schaden. Und außerdem hatte Fox versprochen, den Film für die Heimversion aufzuhellen. Hmm ... ein wenig heller ist er schon, aber richtig erkennen kann man eigentlich immer noch nix! Dabei könnte das Ding so richtig unterhaltsam sein: Übertriebene Splatter-Effekte, scheinbar recht gut choreografierte Monsterkämpfe (hier kommen zur Dunkelheit noch Wackelkamera und höllisch schnelle Schnitte hinzu) und generell massig Action haben noch keinem Film geschadet. Blöde Teenie-Darsteller und ein hirnrissiges Drehbuch ziehen den Film aber auch ziemlich runter. Tja, im Endeffekt ist "AvP 2" nichts anderes, als eine etwas höher budgetierte Videopremiere. Der erste Teil wirkt daneben rein optisch wie ein Meisterwerk. Sowas ähnliches hatte Fox auch schon mit dem unsäglichen "The Hills have Eyes 2" ausprobiert. Naja, ganz nette Unterhaltung. Obwohl der Film stellenweise zum Hörspiel verkommt.
Wertung: 3 von 5

Justice League: The new Frontier
Ich mag die Zeichentrickserien um DCs Superhelden. Neben der grandiosen "Batman"-Serie aus den 90ern haben's mir vor allem "Justice League" und "Justice League Unlimited" angetan. Für alle Unwissenden: Superman, Batman, Wonder Woman, The Flash, Martian Manhunter und viele mehr bilden hier eine Gruppe, die für Recht und Ordnung sorgt. Sehr unterhaltsam und teilweise richtig erwachsen erzählt. Das gilt vor allem für den aktuellen Full-Length-Movie "The new Frontier" (bei 10 Dollar für die HD DVD konnte ich nicht nein sagen): Der Film erzählt von der Entstehung der Liga in den 50er-Jahren (mit einem Fokus auf Flash und Martian Manhunter) und geht vor allem gegen Ende nicht unbedingt sparsam mit Menschenleben um. In einem gewissen Rahmen natürlich! Optisch ist der "Justice League"-Movie dank 50er-Jahre Art Deco-Stil ein Hochgenuss, und die Sprecher sind hervorragend gewählt - auch wenn ich statt Jeremy Sisto lieber den guten alten Kevin Conroy als Batman gehabt hätte. Aber egal. Die Cast ist prima: Kyle MacLachlan, David Boreanaz, Miguel Ferrer, Neil Patrick Harris, Lucy Lawless, Keith David, Kyra Sedgwick und Brooke Shields hauchen den Figuren Leben ein.
Wertung: 4,5 von 5

Buck Rogers in the 25th Century: The complete epic Series
Ewig lange habe ich in Hoffnung auf eine deutsche Veröffentlichung gewartet. Nun ist sie raus und hat eine hundsmiserable Qualität. Was lag da näher, als das US-Box-Set zum Schnäppchenpreis von 20 Dollar mitzunehmen? Ich muss zugeben, die Serie habe ich nie gesehen. Nur der Pilotfilm ist früher als TV-Aufnahme (als auf den Öffentlich-Rechtlichen noch gute Filme kamen) rauf und runter gelaufen. Und was soll ich sagen? Schon beim unglaublich geilen Vorspann mit den Space-Tussies, die sich zum grandios-trashigen Theme-Song auf den Leuchtbuchstaben des Titels räkeln, war der "gute alte Zeiten"-Effekt da. Einfach schön. Und auch der Rest des Films ist spitze. Etwas angenervt war ich zwar von Knuddel-Roboter Twiki, der ständig unpassende Kommentare von sich gibt, aber in der Beziehung gibt's weitaus schlimmere Comic-Relief-Charaktere in neueren Produktionen. Überraschend gut auch die Production Values: Zwar sieht man, dass es sich um eine TV-Produktion handelt, aber genau wie die drei Zusammenschnitte von "Kampfstern Galactica", die seinerzeit im Kino liefen, würde "Buck Rogers" auf der Leinwand sicher nicht vollkommen deplatziert wirken. Nach dem Pilotfilm dann aber die Ernüchterung: Bereits die erste Folge der Serie hat mich absolut kalt gelassen. Genau wie beim Kampfstern fallen die recycelten Weltraumsequenzen auf, und die Stories sind halt einfach dazu da, 45 Minuten zu füllen. Naja, vielleicht wird's bei den nächsten Folgen besser. Dummerweise fehlt bei meiner Box die zweite Disk, was ich erst in Deutschland bemerkt habe. Nachfragen bezüglich Ersatz gingen sowohl bei Universal als auch bei Fry's (wo ich das Ding gekauft habe) ins Leere.
Wertung: 3 von 5 (Pilotfilm)

Als Leckerli hier der Theme-Song als Download (von Gil "Buck Rogers" Gerards offizieller Fansite): Klick

Donnerstag, April 24, 2008

So viele Filme, so wenig Zeit!

Anfang der Woche bin ich mit DVDs beladen aus Las Vegas zurückgekommen, meinen Senf zum Kinofilm "The Ruins" will ich auch noch abgeben, doch dummerweise ist mir was dazwischen gekommen: Ich wurde dazu genötigt, bis spät nachts "GTA IV" zu spielen, sodass keine Zeit bleibt, Filme anzuschauen. Um die Fragen zu beantworten, die einigen GamePro-Lesern jetzt auf der Zunge brennen: Ja, wir werden einen Test im Heft haben! Ja, das Spiel ist in Deutschland ungeschnitten durch die USK gekommen!

Bis demnächst, wenn ich wieder mehr Zeit habe!

Samstag, April 05, 2008

Shorties

So, habe mich mal durch den Kram gekämpft, den ich aus Orlando mitgebracht habe. Viel war's diesmal nicht, dafür qualitativ aber ziemlich breit gefächert *g*

Left for Dead (US-DVD)
Dem Albert Pyun ("Cyborg", "Nemesis") sein Neuer hörte mal auf den Namen "Mean Guns 2". Wahrscheinlich hat man eingesehen, dass man aus einem Horror-Western keine Fortsetzung eines Nonstop-Gangster-Shootouts machen kann. Ist vielleicht besser so. Das grauenhaft langweilige Machwerk würde den guten (hmm ... naja, eher mittelprächtigen) Namen des Films mit Ice-T und Christopher Lambert unnötig in den Dreck ziehen (manche behaupten zwar, das sei gar nicht möglich, aber mich hat er ganz gut unterhalten). Aber zurück zu "Left for Dead": Sterile HD-Video-Optik, lächerliche Darsteller, noch lächerlichere Dialoge und ... man glaubt es kaum ... sogar noch lächerlicherererere (hehe) Computereffekte. Die Dialoge wechseln öfter mal vom gebrochenen Englisch ins Spanische. Da darf man dann englische Untertitel lesen. Damit nicht genug, sind stellenweise gar englische Passagen englisch untertitelt! WTF? UNd was hat man sich eigentlich dabei gedacht, einen Western inmitten eines dichten Waldes zu drehen? Hat sich nur der örtliche Botanische Garten als Drehort angeboten? Ein Blick in die IMDB zeigt: Gedreht wurde in Argentinien. Aber selbst dort sollte es doch staubige Eckchen geben, an denen man einen richtigen Western runterkurbeln kann, oder?
Ich habe bisher vier Mal versucht, den Film anzuschauen. Viel länger als bis zu Hälfte bin ich nicht drangeblieben. Unterirdisch! Man glaubt gar nicht, dass es in der IMDB tatsächlich Leute gibt, die den Schwurbel für ein Meisterwerk halten. Und da sagen manche Äffchen, ICH hätte keinen Filmgeschmack ;)
Wertung: Grütze

Appleseed: Ex Machina (US-Blu-ray)
Die Fortsetzung des unterhaltsamen, aber technisch höchst zwiespältigen Anime aus dem Computer dreht gleich zu Beginn richtig auf: Eine Kirche ist von Terroristen besetzt worden, und es liegt an der E.S.W.A.T.-Einheit, die Typen aufzumischen. Grandiose Action im John-Woo-Stil (kein Wunder, der Mann hat schließlich produziert). Selbst die typischen Tauben, denen hier tatsächlich eine wichtige Funktion zukommt, hat man nicht vergessen. Der Plot dreht sich um Gehirnmanipulation mittels futuristischer Telefon-Headsets (!). Gegen Ende kommt sogar Zombie-Atmosphäre auf, wenn die willenlosen Bürger der Stadt Olympus zwischen brennenden Autowracks herumschlurfen. Zwar könnten Charaktere und Drehbuch etwas ausgefeilter sein, aber Spaß macht der Film allemal. Besonders in HD. Was hier auf dem Bildschirm abgeht, sieht stellenweise einfach nur fantastisch aus. Allerdings hätte das Ende etwas bombastischer sein können. Der Kampf in einem Borg-ähnlichen Technowürfel kommt trotz guter Inszenierung gegen die Zerstörungsorgie am Ende des ersten Teils nicht an.
Wertung: 4,5 von 5

Day of the Dead (US-DVD)
Nein, ich grabe hier keine alten Zombie-Kamellen aus, die fast so streng riechen wie ihre Hauptdarsteller. Vielmehr handelt es sich hierbei um die US-DVD des Remakes, die ich zufällig in Orlando entdeckt habe (Release ist eigentlich erst am 8.4.). Wobei "Remake" eigentlich der falsche Begriff ist: Die Macher haben sich die Rechte am Titel gekrallt, die Namen der Hauptfiguren übernommen und eine völlig neue Story um einen (natürlich) vom Militär geschaffenen Super-Virus gestrickt. Der verwandelt nämlich harmlose Kleinstadtbürger nach kurzer Inkubationsphase in blutrünstige Bestien, die auf der Jagd nach Frischfleisch wie Flummis durch die Gegen springen. Auf den ersten Blick könnte man jetzt genauso loskotzen wie der Zombie auf dem grandios misslungenen Cover der DVD (hier klicken). ABER: Ich muss zugeben, der Film hat mir Spaß gemacht. Hier ist offensichtlich von der Besetzung (Mena Suvari als Soldier-Chick? Na klar!) über den Plot (Vegetarier-Zombies? OMG!) bis hin zur Produktion (mal wieder Bulgarien als USA-Ersatz! glglgl) einiges schief gelaufen. Trotzdem ist das Ding dank der vielen Action und der lustigen Effekte (im positiven wie im negativen Sinn) äußerst unterhaltsam. Man muss sich nur darauf einlassen. Es wundert mich etwas, dass "Day of the Dead" scheinbar ungeschnitten durch die FSK gekommen ist. Zimperlich ist der Streifen nämlich wirklich nicht. Köpfe platzen,werden abgeschnitten, abgerissen, zerschossen, Gliedmaßen fliegen durch die Gegend, Menschen werden angeknabbert und so weiter. Dummerweise wird sehr oft auf eine Mischung aus praktischen Effekten und Computerblut zurückgegriffen. Und wie alle Videopremieren-Fans wissen, sind Computereffekte aus Bulgarien generell mies. Besonders das CGI-Feuer sieht extrem beschissen aus. Ganz klar kein Kinomaterial, aber trotzdem bei weitem besser als der Rest der Billig-Zombiewelle, die derzeit durch die Videotheken schwappt.
Wertung: 3,5 von 5