Donnerstag, Juni 19, 2008

Babylon A.D.

Vin Diesel als neuer Blade Runner? Die ersten Informationen zu Mathieu Kassovitz' Endzeitfilm um einen Söldner, der ein schwangeres Mädchen von Osteuropa in die USA eskortieren soll, deuteten etwas in der Richtung an. Der Teaser-Trailer versprach jedenfalls schnelle Schnitte und viel Action. Eben das, was man von einem Vin Diesel Film eigentlich erwartet. Nach Sichtung des fertigen Films (Kinostart in Deutschland: 04.09.2008) kann ich sagen, dass die Action zwar keineswegs vernachlässigt wird, es aber auch ruhigere Momente gibt. Vin versucht sogar, zu schauspielern, was ihm durchaus (irgendwie) gelingt. Letzten Endes ist er aber eigentlich nur der Badass, der gegen Ende klischeehaft Gefühle zeigen muss. Man könnte beinahe meinen, er hat sich seine "Riddick"-Rolle zum Vorbild genommen, wenn er markige Sprüche ablässt und scheinbar emotionslos tötet. Sinnentleertes Popcornkino mit dem Zeug zum Blockbuster?

Nein, nicht ganz. Der Film ist nicht glatt genug, um Massen ins Kino zu locken. Er ist einfach zu dreckig und hat ganz sicher nicht die nötige Starpower, um ihn zum Hit zu machen. Seien wir mal ehrlich: Vin Diesels 15 Minuten Ruhm sind vorbei, Michelle Yeoh, so gerne ich sie sehe, ist bestimmt auch kein Kassenmagnet und Gerard Depardieu hat zwar einen wundervollen Kurzauftritt, zieht aber nur in Frankreich bedingt ... wenn überhaupt.
Sicher: "Babylon A.D." macht Spaß! Man merkt allerdings, dass hier anscheinend viel Story geopfert wurde, um den Film einigermaßen glatt zu schleifen und US-tauglich zu machen. Die Handlung holpert ab der Hälfte der Spielzeit geradezu von einer Szene in die nächste. Charakterzeichnung? Beinahe komplette Fehlanzeige. Als Zuschauer stellt man sich gerade im letzten Drittel und kurz vor dem Abspann des öfteren die weltbewegende Frage "Häh?", ohne vom Film eine Antwort zu bekommen.

Aber kommen wir mal zur Action: Die ist zwar bis auf eine längere Schießerei und die Flucht aus einem Flüchtlingslager (inklusive Cagefight Diesel gegen Muskelmonster) meist kurz, aber immerhin gut inszeniert. "Babylon A.D." hat keine Hochglanz-Action, sondern wirkt auch hier größtenteils äußerst dreckig. Die Schauwerte sind auch eher gering - den heruntergekommenen Ostblock kennt man schließlich aus zahllosen Nu Image Videopremieren bereits zur Genüge ;) Meiner Meinung nach zieht das den Film sogar etwas runter, lässt ihn billiger erscheinen, als er eigentlich war. Schade.
Ich weiß, das klingt alles ziemlich vernichtend. Spaß macht der Film aber trotzdem. Sicher kein Meilenstein, aber gute Unterhaltung am vergünstigten Kinotag! Ich bin sehr gespannt, ob auf DVD/Blu-ray ein Director's Cut erscheint. Mehr Handlung und vor allem Charakterzeichnung würde dem Film unwahrscheinlich gut tun.

Fazit: Viel verschenktes Potenzial und offensichtliche Handlungsschnitte machen aus einem möglicherweise großartigen Film einen gerade noch guten Film.
Wertung: 3 von 5



*UPDATE 12.9.*
Da war ich bei der Pressevorführung doch etwas zu gutmütig gestimmt. Habe mir den Film nochmal auf Deutsch angesehen und muss im Nachhinein sagen: Das war nix! Es hapert an allen Ecken und Enden. Aber so ist das eben manchmal. Man sieht einen Film, fühlt sich ganz gut unterhalten, und beim wiederholten Ansehen merkt man ganz deutlich, dass das Ding eigentlich gar nicht mal so gut war.

Fazit: Viel verschenktes Potenzial und offensichtliche Handlungsschnitte machen aus einem möglicherweise guten Film einen gerade noch mittelmäßigen Film.
Wertung: 2 von 5

Kommentare:

  1. Das Filmposter gefällt mir außerordentlich gut.

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  2. Na, scheinbar wohl doch besser als befürchtet und nicht so gut wie erhofft :D

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  3. Die deutsche Version entspricht dem französischen Original. Also mehr Handlung!

    Die US Version ist echt eine Frechheit!

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