Dienstag, März 07, 2006

Review: Nemesis (Teil 1)

Oh Mann, wer hätte das gedacht: Uwe Boll hat keine Himbeere bekommen. Es muss also doch Filme geben, die schlechter als Bolls Werke sind! In den letzten Tagen hatte ich leider so gut wie keine Zeit, mir Filme anzusehen. Okay, ich war dieses Jahr zum ersten Mal im Kino, um mir das "Underworld" Double Feature anzusehen (Teil 2 rockt!). Aber abgesehen davon war wirklich nicht viel los. Deshalb gab es logischerweise auch keine Reviews. Das soll sich nun aber wieder ändern! Mit Albert Pyuns "Nemesis"-Reihe mache ich mich nun an eine vierteilige Review-Serie. Hoffentlich überlebe ich den Schrott ... besser werden die Teile nämlich mit steigender Nummer hinter dem Titel nicht.

Vielleicht ist der eine oder andere schon mit Werken von Albert Pyun in Berührung gekommen. Wer auf B-Action steht, hat zumindest schon "Cyborg" mit Van Damme gesehen (oder etwa nicht? miserabel!). "Nemesis" bedient sich einer ähnlichen Thematik wie der Van-Damme-Klopper. Nämlich einer düsteren Zukunft und der wichtigsten Zutat bei einem Pyun-Film: Cyborgs! Hauptfigur Alex Rain, gespielt von Kickboxer Olivier Gruner, ist nach diversen Schießereien mit Gesetzesbrechern (Alex ist nämlich ein Cop) mehr Maschine als Mensch. So gut wie jeder Körperteil wurde durch mechanische Ersatzteile ersetzt. Gleich zu Beginn des Films liefert sich Alex (nach Stock-Footage-Einsatz von Los Angeles aus "Double Dragon"!!!) mal wieder einen harten Kampf mit Rebellen, die etwas gegen die von Maschinen unterwanderte Regierung haben. Dabei zeigt Regisseur Pyun, dass er trotz knappen Budgets in der Lage ist, einen Film interessant aussehen zu lassen: Durch Farbfilter wird geschickt kaschiert, dass der Schauplatz eigentlich nur eine triste Kiesgrube ist, und die irrwitzige "Kugel-Kamera" lässt den Zuschauer quasi als Projektil durch die Luft sausen (bis hin zum Einschlag: Kaboom!). Wahnsinn! Die Rebellen sind in der Überzahl und zerballern Alex' neue Implantate. Obwohl die Sequenz gleich zu Beginn gezeigt wird, hätte man daraus auch einen wunderbaren Showdown basteln können. Es spricht für Pyun, dass er dem Zuschauer sozusagen ins Gesicht springt und sagt "Sieh her, ist das nicht cool? Und dabei ist das erst der Anfang!"
Im weiteren Verlauf der Gecshichte quittiert der ausgebrannte und von Selbstzweifeln geplagte Alex den Dienst, wird aber von hohen Tieren der Regierung erpresst und wieder auf die Jagd nach Rebellen geschickt: In den Ersatzteilen, die sich in seinem Körper befinden, ist eine Bombe versteckt, die per Fernzündung jederzeit zur Explosion gebracht werden kann. Im Klartext: "Du tust, was wir dir sagen, oder endest als kleiner Krater in der Landschaft." Als exotische Kulisse des Films halten die Philippinen her, was eine willkommene Abwechslung zu typischen B-Drehorten wie beispielsweise Osteuropa ist. Pyun nutzt geschickt alte Industriehallen oder andere Ruinen, um spektakuläre Actionszenen und Explosionen zu inszenieren, die sich auch auf der Kinoleinwand gut machen würden. Die letzte halbe Stunde wird für eine rasante Hetzjagd genutzt, die ihr effektreiches Ende in luftiger Höhe und unter Einsatz von charmanten Stop-Motion-Tricks findet: Der Zweikampf zwischen Alex und einem Terminator-ähnlichen Cyborg gefällt mir besser als so manche seelenlose CGI-Schlacht, wie man sie in letzter Zeit ständig vorgesetzt bekommt. Trotz einiger zäher Stellen ist "Nemesis" gelungene Action-Unterhaltung, die man dank toller Explosionen, vieler bekannter B-Darsteller (um mal ein paar Namen in den Raum zu werfen: Cary Hiroyuki Tagawa, Tim Thomerson, Brion James, Thomas Jane, Marjean Holden, Sven-Ole Thorsen, Branscombe Richmond, Vincent Klyn) und einiger heftiger Shootouts immer wieder gerne anschaut.

Fazit: Gekonntes Plagiat bekannter Vorbilder, das aber auch eigene Ideen in den Action-Cocktail einbringt.

Wertung: 4 von 5

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Als Beiprogramm empfehle ich das informative Interview mit Albert Pyun, das die Jungs der Website www.dasmanifest.com vor kurzem führen durften: KLICK

Kommentare:

  1. Ich musste lange überlegen bevor mir der Name Albert Pyun was sagte. Ich hab von Ihm aber schonmal Mean Guns gesehen und fand ihn gar nicht so schlecht. Mehr kenn ich leider nicht von ihm. Wo bekommt man den Film Nemesis her will ihn aber nicht unbedingt kaufen. Noch ein Lob less dein Blog echt gern und schön das dir Underworld Evolution gefallen hat.

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  2. nemesis 1 hab ich vor jahren mal gesehen und fand den ziemlich gut, wieviele filme haben sich eigentlich inzwischen bei der boden-durchballer-szene bedient? ^^

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