Freitag, April 13, 2007

Doppel-Review: Fantastic Four

Wie bereits angedroht, möchte ich an dieser Stelle mal die beiden Filmversionen der Comic-Reihe "Fantastic Four" unter die Lupe nehmen. Den Anfang macht die aufwendige Verfilmung aus dem Jahr 2005. Danach kommt dann Roger Cormans "kostengünstige" Version von 1994 dran ...

Fantastic Four (2005)

Ohne die Charaktere genauer vorzustellen, lässt uns der Film unvermittelt an Reed Richards (Ioan Gruffudd, Lancelot aus "King Arthur") und Ben Grimms (Michael Chiklis, "The Shield") Suche nach einem Geldgeber für ihr aktuelles Forschungsprojekt teilhaben. Nachdem die beiden scheinbar alle anderen Quellen bereits erfolglos aufgesucht haben, wenden sie sich an ihren alten Bekannten Victor von Doom (Julian McMahon, "Nip/Tuck"), einen geldgeilen Schönling mit eigenem Finanzimperium. Warum sie es nicht gleich bei ihm probiert haben? Da gab es wohl einen kleinen Streit in der Vergangenheit, dessen Grund uns der Film allerdings vorenthält. Zu allem Überfluss ist jedenfalls auch noch Reeds alte Flamme Susan Storm (Jessica Alba, "Into the Blue") als Projektleiterin bei Victor angestellt und scheint ihm auch persönlich nicht abgeneigt zu sein. Jedenfalls einigt man sich nach kurzer Verhandlung darauf, das Experiment, das im Weltall auf von Dooms Raumstation stattfinden soll, zusammen durchzuführen (Anteil am Gewinn: 70/30 für von Doom!). Ziel des Unternehmens ist es, eine Energiewolke, die nur alle zig-Millionen Jahre auftaucht zu erforschen, um neue Erkenntnisse für die Genforschung zu sammeln. Nicht genug, dass Victor Reeds Ex mit an Bord nimmt, ist auch der Pilot der Raumfähre ein alter Bekannter: Susans Bruder Johnny (Chris Evans, "Final Call"), mit dem sich Ben überhaupt nicht gut versteht.
An Bord der Raumstation kommt es zu einem Zwischenfall, als die Wolke schon viel früher als berechnet auftaucht. Durch den Kontakt damit verändert sich die Genstruktur der fünf: Jeder erhält neue Fähigkeiten, die sich am jeweiligen Charakter orientieren. Reed kann seinen Körper extrem dehnen, Susan kann sich unsichtbar machen, Hitzkopf Johnny wird zur menschlichen Fackel, der mürrische Ben bekommt eine Haut aus Stein, und Victors Körper verwandelt sich entsprechend seiner kalten Seele langsam in Stahl. Tadaa! Die Geburtsstunde der "Fantastischen Fünf" ... oder auch nicht. Victor wird nämlich zum bösen Dr. Doom, der auf Rache an Reed und Co aus ist (Warum? Er gibt Reed die Schuld an seinem Zustand, dem Zerfall seines Firmenimperiums und Susans neu entfachten Gefühlen für den Gummimann) während die anderen vier sich nach langem Geforsche und einigem Hin und Her zusammenraufen und ihn in einem unspektakulären Finale besiegen.

Eins muss man dem Film lassen: Er sieht gut aus und hält trotz des dämlichen, vor Logiklöchern strotzenden Drehbuchs bei Laune. Das liegt vor allem am Zusammenspiel der vier Hauptdarsteller. Naja, eigentlich nur zweieinhalb, denn Jessica Alba als Susan ist eine glatte Fehlbesetzung und Ioan Gruffud als Reed schaltet nur gelegentlich in den Spaß-Modus. Das liegt aber auch am Drehbuch und seiner Rolle als langweiliger Wissenschaftler. Der Hauptteil der amüsanten Momente resultiert aus dem Zusammenspiel von Ben Grimm und Johnny Storm. Die beiden necken sich, wo es nur geht, spielen sich Streiche und haben einige sehr schöne Wortgefechte. Auch die Effekte können sich sehen lassen, wobei einige Dinge dann doch etwas zu künstlich ausgefallen sind. So sieht zum Beispiel der gedehnte Arm von Reed Richards in einigen Einstellungen arg künstlich aus. Amüsanter Filmfehler: In der 83. Minute ist eine Aufnahme von Johnny gespiegelt worden, als er in seinem Fackel-Modus durch die Straßen New Yorks düst. Zu erkennen am spiegelverkehrten "4"-Logo auf seiner Brust.

Die Adaption der Comic-Vorlage ist dagegen weniger geglückt. Hat man die Hauptcharaktere noch einigermaßen gut hinbekommen, ist die Entstehung von Dr. Doom ein einziges Fiasko für Comic-Fans. In der Vorlage trägt er Maske, Umhang und Rüstung wegen eines Unfalls, der ihn verunstaltete. Im Film verwandelt sich hingegen sein gesamter Körper zu Stahl. Als er dann gegen Ende die Stahlmaske aus der Vitrine holt (der Mann scheint ein Faible für solche Sachen zu haben, weil er ganze Sammlung von Masken aller Art besitzt), wirkt das sehr aufgesetzt und unnötig. Warum sollte jemand, dessen Gesicht sowieso zu Metall wird, noch eine stählerne Maske tragen? Auch die Macht, Elektrizität zu beeinflussen, die ihm im Film angedichtet wird, hat nichts mit der Figur des Comic-Schurken zu tun. Abgesehen davon hat "Fantastic Four" genau die gleichen Schwächen, die viele andere Comic-Adaptionen von Entstehungsgeschichten bekannter Helden auch haben: Das Ding hat einfach zu viel Leerlauf und kann natürlich erst gegen Ende mit richtiger Action aufwarten, da die Helden sich ja erst einmal in ihre neuen Rollen fügen müssen. Dummerweise fällt die Action dann aber ziemlich kurz und unspektakulär aus. Dennoch habe ich große Hoffnungen auf die Fortsetzung, da die Figuren nun etabliert sind und man gleich zu Beginn richtig Dampf machen kann.

Fazit: Etwas zähe Comic-Verfilmung, die aber durch gut miteinander harmonisierende Darsteller und viel Humor punkten kann.

Wertung: 2,5 von 5


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Fantastic Four (1994)

Kommen wir nun zur Hauptattraktion des aktuellen Blog-Eintrags: Roger Cormans Mammutproduktion "Fantastic Four" aus dem Jahre 1994! Genau genommen hat die Neuauflage etwa das 66fache dieses Billigheimers (Budget: unglaubliche 1,5 Millionen US-Dollar) gekostet! Glaubhafte Gerüchte besagen, dass Rechteinhaber Bernd Eichinger sich damals mit Corman zusammen getan hat, weil er vertraglich dazu verpflichtet war, entweder einen Film abzuliefern oder die Lizenz an Marvel Comics zurückzugeben. Da biss der gewiefte Bernd eben in den sauren Apfel, machte etwas Geld aus der Portokasse locker und ließ einen Film drehen, von dem nur er wusste, dass er niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte ... Jedenfalls bis jemand eine VHS-Kopie davon in die Finger bekam und online stellte. ;-)

Zu Beginn erleben wir, wie Reed Richards (Alex Hyde-White, heute vorrangig in Serien tätig) zusammen mit Ben Grimm (Michael Bailey-Smith, der von "Star Trek" bis "The Hills have Eyes" immer gerne eingesetzt wird, wenn man große Typen braucht) und Victor von Doom (Joseph Culp, hält sich ebenfalls mit Serien über Wasser) die Schulbank drückt: Während einer Physik-Vorlesung (gehalten von George Gaynes, den wir wohl alle als senilen Kommandant Lassard aus "Police Academy" kennen) stecken sich Victor und Reed gegenseitig Zeichnungen und Formeln zu. Es geht um den Kolossus-Effekt, der nur alle zig Jahre auftritt. Die beiden Freunde wollen das Phänomen mit einer selbst gebauten Vorrichtung erforschen. Victor hört nicht auf Reed, der noch Veränderungen vorschlägt, und muss es teuer bezahlen: Er landet nach dem gescheiterten Experiment mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Zwei Geheimdienstler aus Victors Heimat Latveria faken seinen Tod und nehmen ihn mit. Was in Latveria mit ihm geschieht? Nunja, dazu kommen wir gleich!

Einige Jahre später. Reed (jetzt mit grauen Schläfen ... ähem, ja, dann eben mit dem Holzhammer) unternimmt einen neuen Versuch, Kolossus zu erforschen. Diesmal will er zusammen mit seinen besten Freunden per Raumschiff durchstarten, um das Phänomen aus nächster Nähe zu untersuchen. Statt einer richtigen Crew holt er seine Kumpels Johnny (Jay Underwood ... Serien) und Susan Storm (Rebecca Staab ... muss ich noch was sagen? Immerhin durfte sie Al Borland in "Hör mal wer da hämmert " bezirzen) zuhause ab. Außerdem mit von der Partie: Ben Grimm. Als die Vier das Haus verlassen wollen, lässt Mama Storm einen unglaublich tiefsinnigen Spruch ab: "Look at you ... the Fantastic Four!" Und alle sehen sich bedeutungsvoll an. Der Holzhammer! Da ist er wieder! Reeds Raumschiff besitzt einen Schutzschild, der die Astronauten vor dem kosmischen Energiefeld schützen soll. Betrieben wird dieser Schutzschild mittels eines unglaublich seltenen und kostbaren ... Plastikdiamanten vom Flohmarkt, den die Freunde bewundern, als wäre er unglaublich selten und kostbar. Sagte ich schon, dass das Budget unglaublich niedrig war? Jedenfalls will eine geheimnisvolle Gestalt mit grünem Umhang und Metallmaske verhindern, dass die Mission ein Erfolg wird. Der Diamant soll gestohlen werden. Bevor unser geheimnisvoller Freund das tun kann, kommt ihm jedoch ein komischer kleiner Wicht namens Jeweller zuvor, der das Plastikding stiehlt und durch ein anderes Plastikding ersetzt. Wow, zwei Plastikdiamanten ... wenn da mal das Budget ausreicht!
Es kommt, wie es zwangsläufig kommen muss: Die vier Helden werden von Kolossus "gebraten" und das Raumschiff explodiert in einer tricktechnischen "Meisterleistung". In der nächsten Szene sitzen die Jungs und das Mädel inmitten einer idyllischen Grasfläche und einiger brennender Alibi-Trümmer. Ja, das Budget ... ! Johnny dämmert es als erstem: "Seht euch die Trümmer an. Und wir haben nicht einen einzigen Kratzer abbekommen. Irgendwas stimmt hier nicht." Dann entdeckt jeder seine neugewonnenen Kräfte. Besonders cool: Die unglaublich "aufwändigen" Effekte in Verbindung mit dem Invisible Girl - Marke "billigstes TV-Serien-Niveau".
Jedenfalls holt ein Suchtrupp die vier Freunde ab und bringt sie in eine Forschungseinrichtung, wo man den Mutationen auf den Grund gehen will. Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich nicht um eine US-Station handelt, sondern ein Labor des unheimlichen Maskenmanns. Die Fantastischen Vier brechen aus und stolpern dabei über eine Kanone, die Reed beim ersten Anblick ein "It's incredible!" entlockt. Auf jeden Fall stellt sich Dr. Doom nun endlich mit dem üblichen "Ich bin der Größte und werde die Welt beherrschen" offiziell vor. Besonders ulkig: Der Typ gestikuliert bei jedem Satz in einer Art Gebärdensprache. Soll wohl die bedrohliche Aura unterstützen, ist aber letztenendes nur lächerlich. Natürlich entkommt das Team um Reed Richards und widmet sich zuhause im Baxter Building eigenen Forschungen. Der zu einem sprechenden Felsklumpen mutierte Ben verlässt seine Kumpels zwischenzeitlich, um sich einer Nebenstory um den Jeweller zu widmen, stößt aber später wieder zu den Dreien dazu. Die erkennen anhand der Sprache, in der einige geklaute Dokumente verfasst sind, um wen es sich bei Dr. Doom handelt und starten einen Gegenangriff, als sie sich schließlich in ihr Superhelden-Schicksal fügen. Die Kostüme sind übrigens spitzenmäßig! Wirklich erstaunlich, wie man mit wenig Liebe und 3,50 Dollar solche Requisiten basteln kann. Ich würde mich jedenfalls in so einer Kluft nicht aus dem Haus trauen. Aber deshalb jetten sie ja auch mit ihrem supermodernen Gleiter, der mal eben vor der Haustür parkte, rüber nach Latveria, um Doom in seinem Schloss zu besuchen.

Was folgt, ist einer der grandiosesten Showdowns, die jemals auf Zelluloid gebannt wurden. Die tappsigen Kämpfe gegen Dooms Truppen, der superbillige Einsatz der Superkräfte und Johnny Storms mit Zeichentrick-Technik realisierter Wettlauf (naja, eher "Wettflug") mit einem auf New York gerichteten Laserstrahl, der von eben jenem zu Beginn geklauten Plastikdiamanten gespeist wird, sind an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten. Natürlich geht alles glimpflich aus. Doom stürzt von der Brüstung seines Schlosses, und die Welt ist gerettet. Oder etwa nicht? Einer der Metallhandschuhe erwacht nämlich zu unheimlichem Leben! Erwartet uns "Fantastic Four 2: The Hand of Doom"? Zum Schluss wird natürlich noch geheiratet, Reed und Sue sind sich nämlich im Laufe des Films ziemlich nahe gekommen. Vor den Credits darf dann noch ein Besenstiel mit Mr. Fantastic-Handschuh dran aus dem offenen Dach der wegfahrenden Limousine winken.

Wow, was für ein Schmodder! Hier kommt alles zusammen, was echten Trash ausmacht: Knallchargen, billigste Effekte (okay, der Ninja-Turtles-Styropor-Felsen-Anzug von Ben ist irgendwie cool) und ein Drehbuch, das nicht für 10 Cent um Logik bemüht ist, sich aber unglaublich ernst nimmt. Im wahrsten Sinne des Wortes" Fantastisch"! Mir tun nur alle Beteiligten irgendwie leid. Ich meine .. die dachten ja wirklich, dass das Ding in die Kinos kommt. Vielleicht hofften Einige angesichts des offenen Endes sogar auf eine Fortsetzung. Hätte Bernd Eichinger auch nur einen Funken Anstand besessen, hätte er den vier Darstellern zumindest Gastauftritte in seinem Big-Budget-Film verschafft!
Was mir neben dem Ben-Grimm-Kostüm wirklich gefallen hat, ist das musikalische Helden-Thema der Wurst-Brüder (Eric und David), die heute vor allem für Nu Image und Co arbeiten. Das Ding klingt zwar ziemlich trashig, passt aber wunderbar zum Film. Auch die Inkarnation des Dr. Doom gefällt mir um Längen besser als die Neufassung, da man sich hier beinahe akribisch an die Comicvorlage hält. Wer den Film irgendwie in die Finger bekommt, sollte sich die Zeit nehmen, ihn bis zum Ende durchzustehen. Zwar ist es beileibe kein Meisterwerk, aber der trashige Charme und die größere Nähe zum Comic machen "The Fantastic Four" in der Billig-Version für mich zu einem besseren Werk als die Neuverfilmung von 2005.

Fazit: Wer etwas für Trash übrig hat, wird seinen Spaß haben. Alle anderen sind mit der Kinoversion von 2005 besser bedient.

Wertung: 3 von 5


Und wie versprochen gibt's auch eine kleine Bildergalerie. Viel Spaß damit!


1 Kommentar:

  1. Eichinger soll sich einen ruck geben und es auf dvd packen und als bonus zum 2 Film packen, den den möchte ich zu gern mal sehen.

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