Sonntag, Mai 07, 2006

Review: Dungeons & Dragons 2


So langsam will ich mal den ganzen Schmodder auswerten, den ich von meinem Trip in die USA mitgebracht habe. Den Anfang macht, man glaubt es kaum, die Fortsetzung zum Fantasy-Trash "Dungeons & Dragons". Wenn ihr davon noch nichts gehört habt, ist das kein Wunder: Der Film wurde für wenig (und ich meine wenig!) Geld in Litauen runtergekurbelt und hat seine Premiere im US-TV erlebt. Mit dem Vorgänger hat "Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God" nur entfernt zu tun: Viele, viele Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils gelingt es dem finsteren Damodar (Bruce Payne, diesmal ohne blaue Lippen), sich des Fluchs zu entledigen, der auf ihm lastete. Ich weiß zwar nicht mehr genau, was mit ihm am Ende von Teil 1 passierte, aber ich kann mich noch an lustige kleine Drachen erinnern, die aus seinen Ohren züngelten, und dass er ziemlich tot war. Aber gut, dann lastet eben ein Untoten-Fluch auf ihm. Jedenfalls will Damodar ein geheimnisvolles Artefakt an sich bringen, mit dessen Hilfe er einen schwarzen Drachen erwecken kann, der in einem Berg oberhalb der Stadt Ismir einen langen Winterschlaf hält. Die Bewohner Ismirs kommen dem Plan allerdings auf die Schliche und stellen einen Abenteurertrupp zusammen, der sich der Sache nach bester Pen&Paper-Rollenspielmanier annehmen soll. Natürlich wird die Gruppe im Laufe des Films immer weiter dezimiert, und auch der finale Angriff des schwarzen Drachen auf die Stadt darf nicht fehlen.
Das Ganze sieht weniger wie ein Kinofilm, als vielmehr wie ein Live-Rollenspiel aus, bei dem die Darsteller in nette Kostüme gesteckt wurden und sich dann stellenweise ziemlich unbeholfen durch den litauischen Urwald kämpfen mussten. Auch die Computereffekte, die für die Darstellung der beiden Drachen (Eisdrache und schwarzer Drache) sowie weiterer Kreaturen verwendet wurden, sind nicht besonders überzeugend anzusehen. Typische Schnellschuss-Produktion, um vom Bekanntheitsgrad der Vorlage und dem durch "Herr der Ringe" ausgelösten Fantasy-Boom zu profitieren, könnte man jetzt sagen. Doch damit täte man dem Film Unrecht! So unglaublich es sich anhört: Der für die Videotheken-Auswertung produzierte zweite Teil ist durchdachter und näher am zugrunde liegenden Rollenspiel als der ungleich teurere Kinofilm. Sicher, wer noch nie mit dem Spiel "Dungeons & Dragons" in Berührung gekommen ist, wird angesichts des Dargebotenen nur ungläubig den Kopf schütteln. Ist man allerdings mit der Materie vertraut, funktioniert nicht nur der D&D-typische Aufbau der Story, sondern man freut sich auch über die vielen Kleinigkeiten, die ins Drehbuch übernommen wurden: Da rettet zum Beispiel der erfahrene Dieb seine Kameraden vor dem sicheren Tod, indem er mittels eines raren Items versteckte Fallen sichtbar macht. Alles ist eine Spur ernster und authentischer inszeniert als im Vorgänger, der sich mit jeder Menge deplatziertem Humor und bonbonbunter Bombast-Optik eher an ein jugendliches Publikum wendete, statt die echten Fans anzusprechen. Schade, dass der echte D&D-Film durch das fehlende Budget nicht zu dem werden konnte, was er eigentlich sein will. So erwartet den Fan ein Werk, das im Herzen zwar alles richtig macht, aber leider nicht über unterstes B-Niveau hinauskommt.

Fazit: Echte D&D-Fans sollten dem Film eine Chance geben, alle anderen sehen sich lieber noch einmal den Herrn der Ringe an.

Wertung: 3 von 5

1 Kommentar:

  1. Hi Kai,
    weißt Du ob ein D-Release geplannt ist, oder ob ich zum Importeur meines vertrauens gehen muß?

    Als alten passionierten Rollenspieler muß ich den Film nach deiner Review umbedingt haben.

    Bis dahin
    Sascha

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