Samstag, März 01, 2008

Pistol Whipped

Es ist faszinierend: Kaum wird eine neue Videopremiere des mittlerweile zur Kampftonne mutierten Aikido-Meisters Steven Seagal angekündigt, tönen die unerschütterlichen Fans in den einschlägigen Foren, dass man ja schon am Trailer oder gar den ersten Fotos sehen könne, dass dies Seagals bester Film seit langer Zeit werde. Bei JEDEM Film geht das so. Seagals neuester Erguss "Pistol Whipped" (bei uns "Deathly Weapon") ist da keine Ausnahme. Und immer wieder sind die Filme des Steingesichts für mich als einstigen Mega-Fan eine riesige Enttäuschung. Stevens letztes Werk "Urban Justice" (wie war nochmal der deutsche Titel?) war zwar wieder ein Schritt in die richtige Richtung, da Seagal nach gewohnter Manier eine Gang aufmischte und auf eine komplizierte Story sowie Drehorte in Osteuropa verzichtete. Selbst der Leibesumfang des guten Mannes hatte mal wieder abgenommen. Tja, und nun kommt "Pistol Whipped" daher und macht alles wieder zunichte!

Seagal spielt Matt, einen versoffenen Ex-Cop (ohne CIA-Vergangenheit!) mit mächtigen Spielschulden und einer Vorliebe für zeltartige Hemden, die seine enorme Leibesfülle nicht wie gewünscht verdecken, sondern optisch sogar verstärken (der Typ sieht aus, wie Jürgen von der Lippe ohne Farbenpracht). Er wird von einer geheimen Regierungsgruppe (Aha! Da ist ja die CIA!) angeheuert, um böse Jungs zu eliminieren. Außerdem muss sich Seagal noch mit seiner nervenden Tochter herumärgern, die ihn jedes Wochenende besucht. Matts Ehe ist nämlich in die Brüche gegangen, und seine Ex-Frau hat seinen Ex-Partner geheiratet. Der entpuppt sich nach kurzer Zeit als Oberbösewicht und will Seagal das Licht ausknipsen und nimmt sogar das blöde Gör als Geisel. Doch Steven lässt sich das nicht gefallen und walzt mit seinen geschätzten 200 Kilo zum Showdown auf einem Friedhof.

Tja, Härte hat der Film durchaus. Das Blut spritzt bei Einschüssen literweise, und Steven darf auch mal wieder Aikido-mäßig herumfuchteln. Dabei gehen natürlich einige Knochen zu Bruch. Auch die Kompromisslosigkeit seiner alten Filme darf Steven hier wieder einmal zeigen. Die coolste Szene ist wohl, als er einen getroffenen Gegner fragt, ob er beerdigt oder eingeäschert werden will. Dem Wunsch nach einer Beerdigung kommt er allerdings nicht nach, da er das Auto des Baddies zur Explosion bringt und ihn sogar noch verhöhnt. Neben der Härte hat der Film auch noch Lance Henriksen, der in drei Szenen als geheimnisvoller Auftraggeber zu sehen ist. Oh, und dann ist da noch das differenzierte Minenspiel des alternden Fettklopses: Für jede Situation hat Steven das passende Gesicht parat! Naja, eigentlich sind es genau zwei Gesichter: Der normal-grimmige Blick und das Kampfgesicht mit den markenrechtlich geschützten, zusammengepressten Lippen. Die Zutaten sind also ganz so, wie bei den besseren Seagal-Werken. Aber es macht einfach keinen Spaß mehr, dem beinahe 60-Jährigen dabei zuzuschauen, wie er sich immer mehr zu einer Witzfigur macht. Charles Bronson war auch alt, als er damals "Death Wish" drehte, aber unser Charlie war im Gegensatz zum aufgedunsenen Steven, der sich mittlerweile ein drittes Kinn zugelegt hat, auch im Alter cool. Auf dem Cover ist sein Doppelkinn zusammen mit den Falten im Gesicht übrigens radikal weggephotoshopped, was ihn unglaublich frisch aussehen lässt. Bravo, reife Leistung! Und verdammt: Warum muss der Mann sich immer Bettgespielinnen aussuchen, die 30 Jahre jünger sind als er? Das ist widerlich!

Wieso tue ich mir das eigentlich noch an? Ich weiß bei jedem neuen Film der Kampfwurst bereits im Voraus, dass er zwar nicht die größte Scheisse werden wird, die ich je gesehen habe, aber nahe dran sein dürfte. Vielleicht ist es Mitleid? Schließlich gönne ich ihm alleine für seine frühen Filme eine nette Rente. Aber dann sollte er verdammt nochmal endlich auch in Rente gehen! Vielleicht senden Seagal-Cover auch Hypnosestrahlen aus, sodass man die Dinger in der Videothek einfach mitnehmen muss. Oder es ist der kleine Hoffnungsschimmer, dass vielleicht doch mal wieder ein brauchbarer Film rauskommt. Lundgren und (in gewissem Maße) Van Damme schaffen es ja auch immer noch, anständige Action-Klopper abzuliefern. Verdammt, ich weiß nicht, was mich immer wieder dazu treibt. Aber ich werde mir sicher auch seine nächste Gurke ansehen.

Fazit: Trotz guter Ansätze wieder einmal eine mittelgroße Enttäuschung vom einstigen Actionhelden Seagal.
Wertung: 2 von 5

Kommentare:

  1. Yeah, ich kenne das! Diese beschissenen Hypnosestrahlen haben mich spätestens nächste Woche wieder auch in ihren Fängen. Als ich in meinem "Urban Justice" - Review übrigens erwähnt habe, dass die Fan-Community seinen nächsten Film anhand von Bildern / Trailern grundsätzlich sonstwohin loben, sind die Sturm gegen mich gelaufen. *gg* Habe einen ganzen Haufen wenig erfreuter Mails bekommen^^

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  2. Aber so isses nunmal. Yeah, Flight of Fury sieht richtig gut aus! Wow, mit Attack Force kann er wieder an alte Zeiten anknüpfen. Ich frage mich sowieso, wie der Mann es schafft, immer noch eine richtige Fanbase zu haben. Für mich ist die einstige "Marke" Seagal mit The Patriot zu Grabe getragen worden. Von dem Flop konnte er sich nie wieder erholen.

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  3. Jap, sehe ich ja genauso! Fire Down Below war davor ja auch schon ziemliche Grütze.
    Umso verwunderlicher finde ich es, wie kritisch bzw realistisch Van Dammes und Lundgrens Fans mit den letzten Filmen ihrer Idole umgehen können. The Shepherd war beispielsweise eine Megaenttäuschung und das sehen seine Fans durch die Bank weg auch so.

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