Samstag, Januar 14, 2006

Coolio im Reich der Dinosaurier

Wer mal wieder so richtig Zeit verschwenden und Gehirnzellen abtöten will, sollte sich in der Videothek seines Vertrauens "Pterodactyl - Urschrei der Gewalt" ausleihen (mal ganz ehrlich: da wäre doch ein kreativerer Titel drin gewesen, oder? wie wär's mit "Terrordactyl"?). Ich sage ausdrücklich "ausleihen", weil die Leihgebühr das Maximum dessen ist, was man für dieses Machwerk investieren sollte. Dummerweise habe ich ganze zehn Euro verschleudert, weil ich dank der Namen auf dem mit Rechtschreibfehlern übersäten Cover einen unterhaltsamen Dino-Trash erwartete.
Da wäre zum einen Coolio, der schon ganz andere Filme durch seine Anwesenheit veredelt hat. Zwar gibt er sich auch in "Pterodactyl" redlich Mühe, doch trotz cooler Sprüche hat er es diesmal nicht geschafft, mir mehr als ein Lächeln abzuringen.
Der andere "große" Name auf dem Cover ist Regisseur Mark L. Lester (Phantom Kommando, Die Klasse von 1984/1999, The Base). Nun ist der gute Mann also endgültig im billig runtergekurbelten TV-Premieren-Sumpf angekommen. Produziert wurde der Dino-Schocker nämlich vom amerikanischen SciFi-Channel.
Aber worum geht's eigentlich? Die Story ist eigentlich sowas von egal, aber bitte: Eine Gruppe von amerikanischen Wissenschaftlern unter Leitung von Dr. Lovecraft und Dr. Heinlein (aua!) will in der türkischen Pampa einen Vulkan untersuchen ("Da gibt's mit Sicherheit viele Fossilien zu entdecken."). Gleichzeitig macht ein Trupp von US-Soldaten unter Führung von Coolio (scheiss was auf den Rollennamen ... der Mann ist einfach nur Coolio!) Jagd auf einen Rebellen, der mit seiner Bande im Wald camping spielt. Was niemand weiß: Durch ein Erdbeben wurden Flugechsen wiedererweckt, die im Vulkan eingeschlossen waren (WTF?) und jetzt tierischen Kohldampf haben. Die Wissenschaftler werden von den Echsen dezimiert und von den Rebellen angegriffen. Die tapferen Soldaten (jemand soll den Typen btw mal beibringen, wie man ein Gewehr hält) retten die Wissenschaftler, werden aber auch fleißig von den Dinos massakriert. Und da platzt Coolio der Kragen: Niemand tötet ungestraft seine Mannen! Also machen sich die traurigen Überreste der Truppe auf zum Vulkan, um den Viechern endgültig den Garaus zu machen.
Erklär mir bitte mal jemand, wieso ein angebliches Elite-Crack-Kommando den Kampf mit den mies animierten Computer-Dinos auf einem offenen Feld aufnimmt, wenn nur wenige Meter weiter links der schützende Wald ist! Schon klar: Sonst hätten die "Effektkünstler" keine Gelegenheit, uns halbierte Soldaten mit schlecht sprudelndem Computer-Blut oder noch schlechter zerplatzende Flugechsen zu zeigen. Naja, immerhin sind die praktischen Effekte (also "echtes" Gekröse) ganz nett gemacht und bis auf einen schlecht abgetrennten Arm recht überzeugend. Die Darsteller geben sich redlich Mühe, sind aber in ihren Rollen so mit Klischees beladen, dass sie zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig rüber kommen. Apropos Klischees: Wieso muss in einem Wissenschafts-Team, das im gefährlichen Grenzgebiet unterwegs ist, unbedingt ein selbstverliebte Sexbombe dabei sein, die anscheinend zu doof ist, ihr Geschäft zu verrichten (im Wald: "Wir halten kurz an, du solltest besser nochmal austreten." "Waaas? Aber wir sind doch im Freien. Hier gibt's nirgends eine Toilette.")? Auch der bebrillte Nerd, der ständig von Außerirdischen schwafelt und mit einschlägigen Filmzitaten um sich wirft, darf natürlich nicht fehlen. Da fällt mir ein: Wenn noch einmal ein Dialogschreiber den Spruch "May the force be with you." mit "Möge die KRAFT mit dir sein." übersetzt, dann muss ich ihn leider auf der Stelle töten!
Wo war ich? Egal. Der Film ist über weite Strecken langweilig, dann mal wieder unfreiwillig komisch, auch gerne mal etwas blutiger, effektmäßig unterirdisch, aber vor allem unglaublich blöde! Ach ja, das Ende hat eine Überraschung parat: Nachdem die Höhle der Pterodactyls (Pterodactyle?) ausgebrannt ist, fährt die Kamera noch einmal an den verkokelten Eiern entlang, die dann (Trommelwirbel!) von einem T-Rex zertreten werden, der sich den ganzen Film über anscheinend in der hintersten Ecke der urtümlichen 10 m² Wohnung verkrochen hatte. Boah! Über eine Fortsetzung mache ich mir aber keine Sorgen, weil das Vieh unmöglich durch das enge Flugloch passt, das für die Dino-Babys vorgesehen war. Obwohl ... "Coolio vs. T-Rex - Urschrei der Verblödung" könnte durchaus lustig werden.

Trash-Wertung: 2 von 5

1 Kommentar:

  1. Wen in Gottes Namen interessiert dieser Schund?
    Mir will nicht in den Kopf gehen wie man sich ernsthaft so etwas ansehen kann, geschweige den beschäftigen will. Das Leben ist dafür zu kurz. Und offentsichtlich hat es schon Spuren hinterlassen...

    Minority Report/DK

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